Dietrich Walther zwingt uns durch die Transformation von flüchtigen Bildern aus dem Netz, meistens von privat- erotischen Internetseiten oder in seinen Videoarbeiten zur Konzentration und Fokussierung. Das Aus-dem-Zusammenhang-Lösen einzelner Motive und ihre Übertragung in gemalte Solitäre auf Leinwand oder grossformatige Digitalcollagen destilliert auf drastische Weise den grundlegenden Konflikt jeder medialen Wahrnehmung, nämlich die Differenz zwischen dem Innen und dem Aussen, die Grenze zwischen körperlicher Unmittelbarkeit und apparativer Distanz.
Anstelle einer klassisch portraithaften Darstellung individueller Personen legt der Künstler den Fokus auf das Generieren von Bildstörungen und einer Analyse von Körperkonstellationen, Konturen und Gesten. Dabei beleuchtet er die Identitären Deformationsprozesse des Subjekts und das offensichtlich gestörte Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit in unserer globalisierten medialen Gegenwart. Ein geradezu sezierender Blick, folgerichtig durch Reduktion der Bildelemente bzw. der Bildinformationen umgesetzt, ist Kern der Bildsprache in Walthers Arbeiten.
Dr. Ralf F. Hartmann
absence Violence